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<title>Agitprop</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Agitprop</span></h1>
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<p><b>Agitprop</b> (teils auch <i>Agiprop</i>) ist ein <a href="Kofferwort" title="Kofferwort">Kofferwort</a> aus den Wörtern <i><a href="Agitation" title="Agitation">Agitation</a></i> und <i><a href="Propaganda" title="Propaganda">Propaganda</a></i> und bezeichnet einen zentralen Begriff der kommunistischen politischen <a href="Werbung" title="Werbung">Werbung</a> seit <a href="Lenin" class="mw-redirect" title="Lenin">Lenin</a>. Agitprop war zunächst die Kurzform von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russisch</a></span> <span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl" style="font-style:normal">отдел агитации и пропаганды</span> (<i>otdel agitazii i propagandy</i>, Abteilung für Agitation und Propaganda, 1920 in <a href="Sowjetrussland" title="Sowjetrussland">Sowjetrussland</a> auf allen Ebenen der bolschewistischen Partei etabliert). Agitprop stand später (und steht zum Teil noch) für die Gesamtheit der Vermittlung kommunistischer Politik leninistischer Ausprägung. Der Begriff ist für <a href="Leninismus" title="Leninismus">Leninisten</a> positiv geprägt.
</p><p>Im Weiteren wird der Begriff auch heute noch gern verwendet, um abwertend, distanzierend oder auch (<a href="Umgangssprache" title="Umgangssprache">umgangssprachlich</a>) positive Werbeaktionen für eine Partei zu bezeichnen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Definition_Plechanows">Definition Plechanows</h2></div>
<p><a href="Georgi_Walentinowitsch_Plechanow" title="Georgi Walentinowitsch Plechanow">Georgi Plechanow</a>, der Begründer der <a href="Marxismus" title="Marxismus">marxistischen Bewegung</a> in <a href="Russland" title="Russland">Russland</a>, hatte die beiden Begriffe noch wie folgt abgegrenzt: „Der Propagandist vermittelt viele Ideen an eine oder mehrere Personen, der Agitator aber vermittelt nur eine oder nur wenige Ideen, dafür aber vermittelt er sie einer ganzen Menge von Personen.“
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Definition_Lenins">Definition Lenins</h2></div>
<p><a href="Wladimir_Iljitsch_Lenin" title="Wladimir Iljitsch Lenin">Lenin</a> verteidigte Plechanows Thesen gegen einen Vertiefungsversuch Martynows, dieser definiert Agitation und Propaganda wie folgt:
</p><p>„Unter Propaganda würden wir die revolutionäre Beleuchtung der gesamten gegenwärtigen Gesellschaftsordnung oder ihrer Teilerscheinungen verstehen, unabhängig davon, ob das in einer Form geschieht, die dem einzelnen oder der breiten Masse zugänglich ist. Unter Agitation im strengen Sinne des Wortes (sic!) würden wir verstehen: den Appell an die Massen zu bestimmten konkreten Aktionen, die Förderung der unmittelbaren revolutionären Einmischung des Proletariats in das öffentliche Leben.“
</p><p>Auf diesen Ausspruch antwortend schreibt Lenin:
</p><p>„[…] dass der Propagandist zum Beispiel bei der Behandlung der Frage der Arbeitslosigkeit die kapitalistische Natur der Krisen erklären, die Ursache ihrer Unvermeidlichkeit in der modernen Gesellschaft aufzeigen, die Notwendigkeit der Umwandlung dieser Gesellschaft in eine sozialistische darlegen muß usw. Mit einem Wort, er muß ‚viele Ideen‘ vermitteln, so viele, dass sich nur (verhältnismäßig) wenige Personen alle diese Ideen in ihrer Gesamtheit sofort zu eigen machen werden. Der Agitator hingegen, der über die gleiche Frage spricht, wird das allen seinen Hörern bekannteste und krasseste Beispiel herausgreifen – beispielsweise den Hungertod einer arbeitslosen Familie, die Zunahme der Bettelei usw. – und wird alle seine Bemühungen darauf richten, auf Grund dieser allen bekannten Tatsache der ‚Masse‘ eine Idee zu vermitteln: die Idee von der Sinnlosigkeit des Widerspruchs zwischen der Zunahme des Reichtums und der Zunahme des Elends, er wird bemüht sein, in der Masse Unzufriedenheit und Empörung über diese schreiende Ungerechtigkeit zu wecken, während er die restlose Erklärung des Ursprungs dieses Widerspruchs dem Propagandisten überlassen wird. Der Propagandist wirkt darum hauptsächlich durch das gedruckte, der Agitator durch das gesprochene Wort. Vom Propagandisten werden nicht die gleichen Eigenschaften verlangt wie vom Agitator. <a href="Karl_Kautsky" title="Karl Kautsky">Kautsky</a> und <a href="Paul_Lafargue" title="Paul Lafargue">Lafargue</a> werden wir zum Beispiel als Propagandisten bezeichnen, <a href="August_Bebel" title="August Bebel">Bebel</a> und <a href="Jules_Guesde" title="Jules Guesde">Guesde</a> als Agitatoren. Ein drittes Gebiet oder eine dritte Funktion der praktischen Tätigkeit schaffen zu wollen, nämlich ‚den Appell an die Massen zu bestimmten konkreten Aktionen‘, ist der größte Unsinn, denn der ‚Appell‘ als einzelner Akt ist entweder die natürliche und unumgängliche Ergänzung sowohl des theoretischen Traktats und der propagandistischen Broschüre als auch der Agitationsrede, oder er stellt eine rein ausführende Funktion dar.“<sup id="cite_ref-VL1902_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-VL1902-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Agitprop_in_der_Sowjetunion">Agitprop in der Sowjetunion</h2></div>
<p>Da das Wort Agitprop eine aus der <a href="Sowjetunion" title="Sowjetunion">Sowjetunion</a> stammende Aktion ist, sind die Hintergründe zur Entstehung ein wichtiger Aspekt, um ihre Umsetzung und Entwicklung zu verstehen. Mit visuellen Mitteln griff man zu überzeugenden und motivierenden Motiven, um das neue Regime zu popularisieren und eine zusammenhaltende Nation zu gründen. Grafisch, malerisch als auch architektonisch wurden die Ideologien in Bildform umgesetzt und gewannen nach Ende des <a href="Zarismus" title="Zarismus">Zarismus</a> an großer Beliebtheit.<sup id="cite_ref-IG2004_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-IG2004-2"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-PKZ2011_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-PKZ2011-3"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-FK1997_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-FK1997-4"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frühe_Propagandaplakate"><span id="Fr.C3.BChe_Propagandaplakate"></span>Frühe Propagandaplakate</h3></div>
<p>Bis zum Jahr 1917 war in Russland der <a href="Zarismus" title="Zarismus">Zarismus</a> die aktuelle Herrschaftsform; zu dieser Zeit regierte Zar <a href="Nikolaus_II._(Russland)" title="Nikolaus II. (Russland)">Nikolaus II.</a> Aufgrund des hierarchisch geregelten Sozialsystems kam es in Russland zu sozialer Ungleichheit, von der die Arbeitergesellschaft am stärksten betroffen war und unter großen wirtschaftlichen Problemen litt. Die <a href="Bolschewiki" title="Bolschewiki">Bolschewiki</a>, die Fraktion der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, war einer der großen Kritiker des Systems, die es sich zum Ziel machte, Russland zu ändern. Gegen die zaristische Herrschaft und um ihre Kritik am Regime öffentlich zu machen, arbeitete die Partei illegal an Flugblättern und Plakaten, die im Untergrund oder Ausland entstanden. Wegen der Bedingungen der Illegalität erwies sich die Verbreitung der Plakate an bevölkerungsreichen Orten als sehr schwierig.<sup id="cite_ref-KWNB2003_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-KWNB2003-5"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dennoch gelang es der <a href="RSDAP" class="mw-redirect" title="RSDAP">RSDAP</a> im Jahr 1901 das erste oppositionelle Plakat „Die Pyramide“ in Genf zu veröffentlichen und unter Arbeitern zu verteilen.<sup id="cite_ref-PK1985_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-PK1985-6"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Als Reaktion auf die soziale Ungleichheit in Russland kam es im Jahr 1905 zum „<a href="Petersburger_Blutsonntag" title="Petersburger Blutsonntag">Blutigen Sonntag</a>“, die erste <a href="Russische_Revolution" title="Russische Revolution">russische Revolution</a>, in der die Arbeitergesellschaft ihre Unzufriedenheit in Form eines Aufstandes aussprach.<sup id="cite_ref-AW2007_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-AW2007-7"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Trotz der Hilferufe nach sozial-gesellschaftlicher Besserung, ignorierte Zar Nikolaus II. die Tatsache, dass Russland sich in einem Selbstzerstörungszustand befand, und das Volk wurde weiter unterdrückt.<sup id="cite_ref-TC1997_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-TC1997-8"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mit dem immer stärker werdenden Drang nach einem Wandel kam es im Oktober 1917 in Russland zur prophezeiten <a href="Oktoberrevolution" title="Oktoberrevolution">Revolution</a>, in der die Bolschewiki unter der Führung Lenins die Macht übernahm und Russland ab diesem Zeitpunkt regierte. Da die an der Macht stehende Partei Lenins popularisiert werden musste, wurden im Jahr 1917 erstmals Plakate für die Wahlkampagnen der Partei genutzt. Man erkannte das agitatorische Potenzial und die politischen Einsatzmöglichkeiten des Plakats und nutzte dieses Medium immer häufiger für die Vergegenständlichung von revolutionärem Wandel.<sup id="cite_ref-PK1985_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-PK1985-6"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mit dem Zarismus fiel auch die Zensur in der Kunst weg, weshalb eine freie Plakatproduktion möglich war und sich gleichzeitig revolutionäre Künstler an der Plakatgestaltung sowie andere Freiwillige aufriefen, sie dabei zu unterstützen.<sup id="cite_ref-PK1985_6-2" class="reference"><a href="#cite_note-PK1985-6"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die ersten sowjetischen Plakate waren daher an erster Stelle politische Plakate, die mit den Traditionen der russischen Grafikkunst in Verbindung standen.<sup id="cite_ref-SW1988_9-0" class="reference"><a href="#cite_note-SW1988-9"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Wegen des hohen Anteils an Analphabeten und Anderssprachigen in der russischen Bevölkerung, dominierten in den Plakaten bildhafte Darstellungen und wenig Text. Daher stützte man sich in der Plakatgestaltung auf traditionelle Motive und allegorische Personifikationen. Der Inhalt der politischen Plakate musste die Massen erreichen und in ihren Köpfen Veränderungen bewirken.<sup id="cite_ref-GP1977_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-GP1977-10"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auf heroische und satirische Weise diente das Plakat als Instrument der Agitation und Propaganda und sollte die Ideologien der politischen Parteien an die Bevölkerung vermitteln. Mit diesem Auftrag erschienen vielfältige Poster, die sich bewusst im Inhalt wiederholten und das Thema der sozialistischen Revolution und der Ablösung der Autokratie bebilderten. Da das Plakat neben den politischen Zielen auch für wirtschaftliche und soziale Zwecke genutzt wurde, verkörperte man auf den Bildern auch unter anderem die Produktionsmechanisierung und die Gleichstellung der Frau. Man thematisierte die Aufklärung des Feindes, die revolutionäre Ideologie, die Notwendigkeit von Lese- und Schreibfähigkeit, das Interesse an Literatur und Bildung, die gesundheitliche Förderung und die neue Verantwortung der Frauenarbeiterinnen.<sup id="cite_ref-ML2007_11-0" class="reference"><a href="#cite_note-ML2007-11"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Künstler <a href="D._Moor" title="D. Moor">D. Moor</a> (1883–1946) war der Erfinder der sowjetisch politischen Postergestaltung und als Meister der politischen Satire entwarf er Illustrationen für Zeitungen und Satiremagazinen und gehörte daher zu den bedeutendsten Grafikkünstlern.<sup id="cite_ref-HS1965_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-HS1965-12"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vertreter_der_Propagandaplakate">Vertreter der Propagandaplakate</h3></div>
<p>Mithilfe der russischen Telegrafenagentur <a href="ROSTA" title="ROSTA">ROSTA</a> wurden die plakativen Propagandaaktionen realisiert und verhalfen den Bolschewiki zu großer Popularität. Die ROSTA war zuständig für die Verbreitung von aktuellen Nachrichten und gestaltete gemeinsam mit Künstlern die Plakate, um die Informationen visuell wiederzugeben. Der Künstler <a href="Michail_Michailowitsch_Tscheremnych" title="Michail Michailowitsch Tscheremnych">Michail Tscheremnych</a> (1890–1962) entwarf 1919 in Zusammenarbeit mit dem Journalisten N. K. Ivanov das Konzept der sogenannten <i><a href="Rosta-Fenster" title="Rosta-Fenster">ROSTA-Fenster</a></i>, das die Abteilung der Plakatgestaltung in der Telegrafenagentur bezeichnete und von Künstlern, Journalisten und anderen intellektuellen Gestaltern geleitet wurde.<sup id="cite_ref-JB2002_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-JB2002-13"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sobald aktuelle Meldungen und Nachrichten in der Telegrafenagentur eintrafen, wurden sie von den ROSTA-Fenstern mit Texten und Bildern auf Plakaten visualisiert, schablonisiert und anschließend im öffentlichen Raum aufgehängt. Die Plakate kommentierten mit Bildern und kurzen Texten gegenwärtige Themen der Politik und der Gesellschaft Russlands, oft in indirekter und allegorischer Form.<sup id="cite_ref-TC1997_8-1" class="reference"><a href="#cite_note-TC1997-8"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Plakatproduktion variierte in den Städten Russlands und bedurfte unterschiedlicher Produktionstechniken. Da die Druckmaschinen aufgrund der Kriege zum großen Teil zerstört worden waren, nutzte die ROSTA in Moskau Schablonen zur Vervielfältigung der Plakate.<sup id="cite_ref-TC1997_8-2" class="reference"><a href="#cite_note-TC1997-8"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Aufgrund der Schablonentechnik waren die Plakate abstrahiert dargestellt und bestanden aus einfachen Formen und Motiven, oft auch aus bunten Farben. Die Poster wurden in Ladenfenstern, Kioskläden, Zugstationen, Marktplätzen und anderen öffentlichen Plätzen aufgehängt. Der Dichter und Künstler <a href="Wladimir_Wladimirowitsch_Majakowski" title="Wladimir Wladimirowitsch Majakowski">Wladimir Majakowski</a> (1893–1930) galt als dominante Figur in der Text- und Bildgestaltung der ROSTA-Fenster, da er zu den ersten Künstlern gehörte, die die Kunst der monumentalen Propaganda prägten und neue Motive in Plakatbildern entwickelte.<sup id="cite_ref-HS1965_12-1" class="reference"><a href="#cite_note-HS1965-12"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Weitere_Formen_der_Propagandakunst">Weitere Formen der Propagandakunst</h3></div>
<p>Im Jahr 1918 forderte Lenin eine monumentale Propaganda zur Agitation und Aufklärung der Massen. Deshalb gab es neben den plakativen Mitteln noch die Agitationsmalerei und die Agitationsarchitektur als weitere Formen der Propaganda. Da die Plakate auf den Fahrzeugen wegen der Witterungsbedingungen keine langfristigen Propagandamöglichkeiten versprachen, erzielte man mit den mobilen Transportmitteln, darunter Züge, Dampfschiffe und Straßenbahnen, eine Massenagitation, die die Bevölkerung in den wichtigsten Zentren der Sowjetunion (Moskau, Petrograd, Kiew) und vor allem außerhalb der Großstädte erreichte.<sup id="cite_ref-KB1988_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-KB1988-14"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Ziel war eine Massenkommunikation, die mithilfe der Umsetzung durch Künstler und Architekten die Bevölkerung inspirieren und politisch bilden sollte.<sup id="cite_ref-TC1997_8-3" class="reference"><a href="#cite_note-TC1997-8"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch die Architektur war Teil der von Lenin festgelegten monumentalen Propaganda, da sie ein wirkungsvolles Mittel zur Änderung der gewohnten städtischen Umgebung und zur Erneuerung der Lebensform gewährleistete.<sup id="cite_ref-DK2012_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-DK2012-15"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zusätzlich wurden agitatorisch dekorierte Jahrmärkte, Volkstheater und Feste veranstaltet, die der Freude der Revolution gewidmet und für das politische wie auch künstlerische Leben von großer Bedeutung waren.<sup id="cite_ref-VT1990_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-VT1990-16"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es wurden Architekturaufbauten provisorischer Art zu großen Mengen und aus günstigem Material hergestellt, die freistehend oder auf Umzugswägen in dreidimensionalen architektonischen Kulissen während Straßenumzügen präsentiert wurden.<sup id="cite_ref-DK2012_15-1" class="reference"><a href="#cite_note-DK2012-15"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Auswirkungen_auf_Street_Art">Auswirkungen auf Street Art</h3></div>
<p>Die sowjetische Propagandakunst hatte große Auswirkungen auf die <a href="Streetart" title="Streetart">Street Art</a>, da ihre Funktion und Umsetzung stark genutzt wurde. Die Verbreitung von Mitteilungen durch Zugbemalungen, das Anbringen von Schablonenmalerei und Bekleben von Postern an öffentlichen Plätzen ist heute immer noch ein aktueller Ausdruck der Street Art. Starke Bezüge zur sowjetischen Propaganda lassen sich vor allem in den Werken von <a href="Shepard_Fairey" title="Shepard Fairey">Shepard Fairey</a> erkennen. Fairey ist ein Street-Art-Künstler, der mit seinem Obey-Experiment 1989 eine weltweit große Propagandakampagne auslöste.<sup id="cite_ref-JR2007_17-0" class="reference"><a href="#cite_note-JR2007-17"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er verteilte im öffentlichen Raum Sticker-, Poster- und Schablonenbilder von Profiwrestlerikone <a href="Andr%C3%A9_the_Giant" title="André the Giant">André the Giant</a>, um in Erfahrung zu bringen, wie ein bedeutungsloses Motiv weltweit bekannt gemacht werden kann.<sup id="cite_ref-JR2007_17-1" class="reference"><a href="#cite_note-JR2007-17"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Macht und Verbreitung des Logos im öffentlichen Raum bestätigte Fairey, dass die Straße für Propaganda eine große Bedeutung hat und nutzte sie daher auch in weiteren Projekten. Als Befürworter des Kommunismus bezieht er sich in seinen Werken auf Führer wie Lenin und kopiert kommunistische Symbole.<sup id="cite_ref-VB1997_18-0" class="reference"><a href="#cite_note-VB1997-18"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er beschränkt sich bei seinen Porträts auf die schwarz-weiß-rote Farbgebung, die typisch für den propagandistischen Charakter ist und vermeidet, dass der Betrachter durch bunte Farben vom Thema des Bildes abgelenkt wird, da es ihm an erster Stelle um den Inhalt und die Wirkung geht. Fairey hat sich von der sowjetischen Propaganda stark inspirieren lassen und übernimmt stilistische Besonderheiten wie reduzierte Farbgebung, klare Formen, Typographie, Bildaufteilung und heroische Darstellungen von Personen.<sup id="cite_ref-VB1997_18-1" class="reference"><a href="#cite_note-VB1997-18"><span class="cite-bracket">[</span>Lit. 9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die sowjetischen Farben, allegorischen Symbole, politischen Themen, der nostalgische Charakter und vor allem das propagandistische Potenzial der Straßen beweisen die Auswirkungen der sowjetischen Propagandakunst auf die Street Art von Shepard Fairey.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Agitprop_in_der_Weimarer_Republik">Agitprop in der Weimarer Republik</h2></div>
<p>In der Anfangszeit der <a href="Weimarer_Republik" title="Weimarer Republik">Weimarer Republik</a> hielt die <a href="Kommunistische_Partei_Deutschlands" title="Kommunistische Partei Deutschlands">Kommunistische Partei Deutschlands</a> (KPD) wenig von Kunst und Kultur, sondern bezeichnete dies als bürgerlichen „Klimbim“, der nur vom <a href="Klassenkampf" title="Klassenkampf">Klassenkampf</a> ablenken würde. Kunst zweckfrei um ihrer selbst willen zu betreiben, <a href="L%E2%80%99art_pour_l%E2%80%99art" title="L’art pour l’art">l’art pour l’art</a>, war verpönt. Als die politische Lage sich 1923 stabilisierte, entdeckte auch die KPD nach sowjetischem Vorbild den langfristigen Wert kultureller Arbeit. So beauftragte man 1925, anlässlich des 10. Parteitags, <a href="Erwin_Piscator" title="Erwin Piscator">Erwin Piscator</a> mit der Inszenierung der Revue „Trotz alledem“. Piscator, der mit dem „Proletarischen Theater“, einer Agitprop-Truppe, jahrelang durch Kneipen und Kulturhäuser gezogen war, proklamierte eine kompromisslose Indienstnahme der Kunst zum Zwecke des Klassenkampfs. Ähnlich äußerte sich <a href="Friedrich_Wolf" title="Friedrich Wolf">Friedrich Wolf</a> 1928 in seiner Rede „Kunst ist Waffe“ vor dem Arbeiter-Theaterbund Deutschlands, die sofort anschließend auch als Broschüre veröffentlicht wurde.<sup id="cite_ref-FW1928_19-0" class="reference"><a href="#cite_note-FW1928-19"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zeitweise ging der KPD-Führung dies allerdings zu weit; Kunst, so hieß es, sei „eine viel zu heilige Sache, als dass sie ihren Namen für Propagandamachwerk hergeben dürfe“.<sup id="cite_ref-EP1986_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-EP1986-20"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Interessant ist, dass hier zum Teil auf <a href="B%C3%BCrgertum" title="Bürgertum">bürgerliche</a> Wertmaßstäbe zurückgegriffen wurde.
</p><p>Mit der <a href="Arbeiterkorrespondenzbewegung" title="Arbeiterkorrespondenzbewegung">Arbeiterkorrespondenzbewegung</a> wurden Arbeiter an die Literaturproduktion herangeführt und im <a href="Bund_proletarisch-revolution%C3%A4rer_Schriftsteller" title="Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller">Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller</a> entstanden Romane von Arbeitern. Sprechchöre und Revuen verbreiteten auf unterhaltsame Weise ihre politischen Ideen.
</p><p>Wichtig für die kommunistische Propaganda waren auch die <i>Agitproptruppen</i>, das waren Gruppen von <a href="Laienschauspieler" class="mw-redirect" title="Laienschauspieler">Laienschauspielern</a>, die mit Theaterstücken, Liedern und Sketchen in Wahlkämpfen oder während Streiks versuchten, Anhänger zu werben. Viele dieser Truppen waren aus der <a href="Volksb%C3%BChne" title="Volksbühne">Volksbühnenbewegung</a> hervorgegangen. Organisatorisch waren die meisten mit dem Arbeiter-Theaterbund Deutschland und dem Internationalen Revolutionären Theaterbund in Moskau verbunden. Hauptziel der Agitprop-Truppen war die Verbreitung ihrer Ideen, deshalb fühlten sie sich von der Kritik, ihre Aufführungen seien plakativ und die Charaktere, die sie darstellen, eher platt, nicht getroffen.<sup id="cite_ref-MKDM1983_21-0" class="reference"><a href="#cite_note-MKDM1983-21"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Spätestens seit 1932 hatten die Agitproptruppen ständig mit Aufführungsverboten zu kämpfen.
</p><p>Bis heute erhalten haben sich noch einige Auftrittslieder dieser Agitproptruppen, besonders der <i><a href="Roter_Wedding" title="Roter Wedding">Rote Wedding</a></i> der gleichnamigen Truppe, allerdings ist in der heute verbreiteten Textvariante jede Anspielung auf eine Theateraufführung getilgt. Andere wichtige Agitproptruppen waren die <a href="Rote_Raketen" title="Rote Raketen">Roten Raketen</a> und in <a href="Stuttgart" title="Stuttgart">Stuttgart</a> der von <a href="Friedrich_Wolf" title="Friedrich Wolf">Friedrich Wolf</a> gegründete <i>Spieltrupp Südwest</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Agitprop_in_der_DDR">Agitprop in der DDR</h2></div>
<p>Nach dem Volks<a href="Aufstand_vom_17._Juni_1953" title="Aufstand vom 17. Juni 1953">aufstand vom 17. Juni 1953</a> war die 1955 errichtete <a href="Abteilung_Agitation_(MfS)" title="Abteilung Agitation (MfS)">Abteilung „Agitation und Propaganda“</a> des <a href="Ministerium_f%C3%BCr_Staatssicherheit" title="Ministerium für Staatssicherheit">Ministeriums für Staatssicherheit</a> (MfS) mitverantwortlich für die dafür eingeführte propagandistische <a href="Sprachregelung" title="Sprachregelung">Sprachregelung</a> vom „faschistischen Putsch“.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die <a href="Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands" title="Sozialistische Einheitspartei Deutschlands">Sozialistische Einheitspartei Deutschlands</a> (SED) bediente sich in der <a href="Deutsche_Demokratische_Republik" title="Deutsche Demokratische Republik">DDR</a> der intensiven politischen Werbung. Auf den unterschiedlichen Führungsebenen der SED und der <a href="Freie_Deutsche_Jugend" title="Freie Deutsche Jugend">Freien Deutschen Jugend</a> (FDJ) gab es Funktionäre für Agitation und Propaganda, kurz <i>AgitProp</i>. Viele bekannte SED-Funktionäre und DDR-Regierungsmitglieder waren in diesem Verantwortungsbereich tätig. <a href="Massenorganisation#Massenorganisationen_in_der_DDR" title="Massenorganisation">Massenorganisationen</a> wie <a href="Junge_Pioniere" class="mw-redirect" title="Junge Pioniere">Junge Pioniere</a>, <a href="Freie_Deutsche_Jugend" title="Freie Deutsche Jugend">FDJ</a>, <a href="Freier_Deutscher_Gewerkschaftsbund" title="Freier Deutscher Gewerkschaftsbund">FDGB</a> und andere waren integraler Bestandteil des staatlichen Propagandaapparates.
</p><p>Medialer Höhepunkt der DDR-Propaganda war die Fernsehsendung <i><a href="Der_schwarze_Kanal" title="Der schwarze Kanal">Der schwarze Kanal</a></i>.<sup id="cite_ref-MG2000_23-0" class="reference"><a href="#cite_note-MG2000-23"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-GDRG1996_24-0" class="reference"><a href="#cite_note-GDRG1996-24"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-GH1994_25-0" class="reference"><a href="#cite_note-GH1994-25"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Propagandamethoden waren ein fester Ausbildungsbestandteil für <a href="Kader" title="Kader">Kader</a>, so z. B. in der <a href="Sektion_Journalistik" class="mw-redirect" title="Sektion Journalistik">Fakultät für Journalistik</a> in <a href="Leipzig" title="Leipzig">Leipzig</a>, einem Ausbildungsinstitut des <a href="Zentralkomitee_der_SED" class="mw-redirect" title="Zentralkomitee der SED">Zentralkomitees der SED</a>.<sup id="cite_ref-BK1993_26-0" class="reference"><a href="#cite_note-BK1993-26"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
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<li id="cite_note-PK1985-6"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-PK1985_6-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-PK1985_6-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-PK1985_6-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Peter_Kenez" title="Peter Kenez">Peter Kenez</a>: <i>The birth of the propaganda state: Soviet methods of mass mobilization, 1917–1929.</i> Cambridge 1985.</span>
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<li id="cite_note-TC1997-8"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-TC1997_8-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-TC1997_8-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-TC1997_8-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-TC1997_8-3">d</a></sup></span> <span class="reference-text">Toby Clark: <i>Kunst und Propaganda. Das politische Bild im 20. Jahrhundert.</i> Köln 1997.</span>
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<li id="cite_note-HS1965-12"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-HS1965_12-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-HS1965_12-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Hans Schimanski: <i>Leitgedanken und Methoden der kommunistischen Indoktrination. Parteischulung. Agitation und Propaganda in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.</i> Bonn 1965.</span>
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<li id="cite_note-JB2002-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-JB2002_13-0">↑</a></span> <span class="reference-text">John E. Bowlt: <i>Stalin as Isis and Ra. Socialist realism and the art of design.</i> In: <i>The journal of decorative and propaganda arts, Vol. 24, Design, Culture, Identity</i> (2002) <a href="JSTOR" title="JSTOR">JSTOR</a>:<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.jstor.org/stable/1504182">1504182</a></span>
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<li id="cite_note-DK2012-15"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-DK2012_15-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-DK2012_15-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">David King (Hrsg.): <i>Russian revolutionary posters. From civil war to socialist realism, from Bolshevism to the end of Stalin.</i> London 2012.</span>
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<li id="cite_note-VB1997-18"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-VB1997_18-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-VB1997_18-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Victoria E. Bonnell: <i>Iconography of power. Soviet political posters under Lenin and Stalin.</i> Berkeley 1997.</span>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
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<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://archiv.adk.de/bigobjekt/22033">Agit-Prop-Theater-Sammlung</a> im Archiv der <a href="Akademie_der_K%C3%BCnste_(Berlin)" title="Akademie der Künste (Berlin)">Akademie der Künste, Berlin</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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